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Don´t turn your back on Girls
- Sexuelle Gewalt gegen Mädchen in Haiti

Der aktuelle Bericht von amnesty international zur Lage in Haiti liegt vor:

"Gewalt und vor allem sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist in Haiti weit verbreitet. Obwohl nur wenige verlässliche Informationen über das Ausmaß vorliegen, wird deutlich, dass Frauen und Mädchen in Haiti vor allem zu Hause und in ihrem unmittelbaren Umfeld sexueller Gewalt ausgesetzt sind - ein Trend, der weltweit zu beobachten ist.
Gewalt gegen Frauen und Mädchen erstreckt sich über alle Bereiche der Gesellschaft. Bestimmte Faktoren erhöhen jedoch das Risiko. Vermutlich zählt insbesondere die Tatsache jung zu sein zu den entscheidenden Risikofaktoren in Haiti.
... Eine weitere Entwicklung besteht darin, dass an vielen der Vergewaltigungen bewaffnete Gruppen beteiligt sind.
... Die gesundheitlichen Folgen sexueller Gewalt gegen Mädchen sind tiefgreifend und dauerhaft.
... Die Behörden haben in den letzten Jahren Maßnahmen ergriffen, die darauf hinweisen, dass man Gewalt gegen Frauen und Mädchen als ein Problem erkannt hat, das dringend gelöst werden muß. ...
Auf Grundlage der durchgeführten Recherchen und Untersuchungen kommt Amnesty International in seinem Bericht zu folgenden Schlussfolgerungen:
Es wird festgestellt, dass die haitianischen Behörden sich weiterhin mit ernsthaften und andauernden Schwierigkeiten konfrontiert sehen. Die internationale Gemeinschaft hat ebenfalls erkannt, dass die andauernde Krise in der öffentlichen Sicherheit, eine Vielzahl humanitärer Katastrophen sowie fest verwurzelte Armut und Marginalisierung die beteiligten Parteien vor eine große Herausforderung stellen und dass die Notwendigkeit besteht, Initiativen zu unterstützen, die diese angehen.
... Die Stimmen zu vieler Frauen und Mädchen, die Opfer sexueller Gewalt wurden, bleiben in Haiti ungehört. Allerdings überwinden immer mehr Opfer die bestehenden Hürden und gehen an die Öffentlichkeit, um ihre Geschichten zu erzählen.
... Der Bericht zeigt, dass trotz jüngster Anstrengungen des Staates die ergriffenen Maßnahmen der Behörden unzureichend sind.
... Der Mangel an Vertrauen in die Polizei und das Justizsystem sowie die Diskriminierung der Opfer durch staatliche Angestellte, die Vergewaltigung nicht als massive Menschenrechtsverletzung anerkennen, müssen thematisiert werden, ..."
(aus einer inoffiziellen Zusammenfassung, die in der Ausstellung zur Kunstauktion in der Haalhalle ausliegt) Die komplette Version des Berichts kann sowohl im englischen Original als auch in inoffizieller deutscher Übersetzung heruntergeladen werden unter: www.amnesty-haiti.de .(siehe weiter unten)

Amnesty International Haiti-Koordinationsgruppe, 10.09.2008

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Gewalt gegen Frauen: Frauen und Mädchen wurden von bewaffneten Gruppen und Einzelpersonen weiterhin gefoltert, vergewaltigt und getötet. Es wurden keine signifikanten Fortschritte in der Untersuchung der Fälle und der Verfolgung der Verantwortlichen gemacht. Frauen werden in allen Sphären des öffentlichen und privaten Lebens diskriminiert und Gewalt gegen Frauen wird nur selten zur Anzeige gebracht. Der Zugang zum Justizsystem ist für die arme Bevölkerung allgemein nur ungenügend sichergestellt, doch in Zusammenhang mit sexueller Gewalt ist die Lage besonders schwierig. Aus Angst vor Vergeltung trauen sich nur wenige Frauen Anzeige zu erstatten, mangelnde Unterstützung durch Frauenhäuser oder ähnliche Anlaufstellen erschweren die Situation. Besonders in ländlichen Gebieten drängen die Autoritäten oftmals darauf, die Fälle außergerichtlich durch die Zahlung eines Geldbetrages an die Familie des Opfers beizulegen, anstatt sie vor Gericht zu verhandeln. Besonders junge Mädchen sind der Gefahr sexueller Gewalt ausgesetzt. Zahlen von verschiedenen NGOs zufolge sind zur Anzeige gebrachte Vergewaltigungen im Vergleich zu Vorjahren angestiegen und mehr als die Hälfte der Opfer sind unter 17 Jahre alt. Im November 2007 wurden 108 UN Soldaten aus Sri Lanka in ihr Heimatland zurück geschickt, nachdem Vorwürfe sexueller Gewalt und Ausbeutung von Frauen und Mädchen gegen sie erhoben worden waren.

Rechte von Kindern: Der Zugang zu Bildung wird vielen Kindern durch Armut, Gewalt und hohe Gebühren verwehrt. UNICEF schätzt, dass fast 500 000 Kinder in Haiti nicht zur Schule gehen. Körperliche Züchtigung in Schulen ist verboten, wurde aber weiterhin berichtet. Bis zu 175 000 Kinder waren unter teilweise prekären Bedingungen in fremden Haushalten angestellt. Großteils gehen sie nicht zur Schule und es wird von Missbrauch und körperlicher Züchtigung berichtet. Entgegen nationaler Gesetze und internationaler Standards waren Kinder, die nicht älter als 10 Jahre waren, in Gefängnissen inhaftiert. Außerdem gibt es Berichte über Menschenhandel und sexuellen Missbrauch in Waisenhäusern. Die anhaltend hohen Zahlen von Entführungen (etwa eine pro Tag zu Beginn diesen Jahres) trifft zunehmend Kinder. Nach MINUSTAH Zahlen handelt es sich bei drei Entführten in mehr als einem Fall um Kinder, wobei die Zahl der entführten Mädchen zunimmt. Viele der entführten Mädchen werden auch sexuell missbraucht. Auch der Menschenhandel mit Kindern in die benachbarte Dominikanische Republik nimmt zu.

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Für weitere Informationen: http://www.amnesty-haiti.de Jenny Schöberlein: info@amnesty-haiti.de